Zwischen Bergen und Daten: Aufbau der ersten nationalen Waldinventur in Tadschikistan

Rückkehr in ein besonderes Projekt

Ich komme gerade von unserem Projekt in Tadschikistan zurück und habe wieder einmal erlebt, wie besonders – und herausfordernd – dieses Land ist. Zum fünften Mal war ich nun vor Ort, um die laufende nationale Forstinventur zu begleiten. Was hier gerade entsteht, ist alles andere als Routine: In einem Land, in dem es bislang keine systematische Waldinventur gab, wird nun mit Unterstützung der World Bank erstmals eine fundierte Datengrundlage über die Wälder aufgebaut.

Ein Land der Gegensätze

Tadschikistan ist geprägt von extremen Gegensätzen. Auf der einen Seite die Hauptstadt mit ihren monumentalen Boulevards, auf der anderen die abgelegenen Bergregionen, in denen die Lebensbedingungen sehr einfach sind. Rund 90 % des Landes sind gebirgig, und der Waldanteil ist mit unter 3 % erstaunlich gering. Was hier als „Wald“ gilt, entspricht oft nicht unseren gewohnten Bildern: lichte Bestände, stark von Beweidung geprägt, mit niedrigen, teils strauchförmigen Bäumen.

Innovative Methoden im Einsatz

Umso spannender ist der methodische Ansatz des Projekts. Gemeinsam mit lokalen Partnern setzen wir auf eine Kombination aus Satellitendaten und moderner Laserscantechnologie. Besonders interessant ist die Nutzung von Daten aus dem GEDI-Programm der NASA, die wir mit terrestrischen Aufnahmen kalibrieren. Im Gelände arbeiten die Teams mit tragbaren Laserscannern – eine enorme Erleichterung in schwierigem Terrain und bei oft ungewöhnlichen Wuchsformen der Bäume.

Qualitätssicherung als Schlüssel

Ein Schwerpunkt meines aktuellen Einsatzes war die Qualitätssicherung. Dafür wurde ein eigenes Controlling-Team aufgebaut, das etwa drei Prozent der Inventurpunkte ein zweites Mal vermisst. Diese unabhängigen Kontrollmessungen sind entscheidend, um die Datenqualität statistisch abzusichern.

Wir haben das Team intensiv geschult – und ich muss sagen: mit großem Erfolg. Besonders eindrucksvoll war eine gemeinsame Feldbegehung in der Region Khovaling, an der auch Vertreter der Weltbank und der tadschikischen Forstbehörde teilgenommen haben. Unter realen Bedingungen konnte das Controlling-Team zeigen, was es kann. Die Ergebnisse sprechen für sich: hohe Übereinstimmung mit den Erstaufnahmen, saubere Arbeitsweise und ein sehr gutes Verständnis der Methoden.

Gerade in einem Land, in dem forstliche Inventuren kaum Tradition haben, ist das keine Selbstverständlichkeit. Umso wichtiger ist es, dass wir nicht nur Daten erheben, sondern auch lokales Know-how aufbauen. Das zahlt sich jetzt bereits aus.

Neben der eigentlichen Inventur entstehen im Projekt auch ganz konkrete Grundlagen für die Praxis: Für mehrere staatliche Forstbetriebe werden erstmals seit Jahrzehnten aktuelle Karten und Managementpläne erstellt. Das ist ein entscheidender Schritt in Richtung nachhaltiger Nutzung der ohnehin knappen Waldressourcen.

Fazit

Mein Eindruck nach dieser Reise: Das Projekt ist – nach anfänglichen Schwierigkeiten – auf einem guten Weg und kann aus heutiger Sicht Ende 2026 fertiggestellt werden. Die Kombination aus moderner Technologie, engagierten lokalen Teams und funktionierender Qualitätssicherung zeigt, dass auch unter schwierigen Bedingungen verlässliche Ergebnisse möglich sind. Und ganz persönlich bleibt – neben aller fachlichen Arbeit – wieder die Erfahrung eines faszinierenden Landes, das einen nicht so schnell loslässt.