Betriebsausflug Stift Schlägl – Zwischen Tradition, Praxis und moderner Waldbewirtschaftung

Unser diesjähriger Betriebsausflug führte uns ins oberösterreichische Mühlviertel zum Stift Schlägl – einem Ort, an dem sich forstliche Praxis, jahrhundertealte Tradition und moderne Ansätze nachhaltiger Waldbewirtschaftung auf besondere Weise überlagern.

Was sich vor Ort zeigt, ist kein klassischer Forstbetrieb, sondern ein über Jahrhunderte gewachsenes Gesamtsystem.

Fachlicher Auftakt im Revier

Der erste Tag stand ganz im Zeichen der forstlichen Praxis. Gemeinsam mit dem Forstteam vor Ort begann der Austausch mit einer intensiven Hiebssatzdiskussion. Dabei wurden klassische Fragen der Nachhaltigkeit ebenso behandelt wie Ergebnisse der laufenden Inventuren und deren Interpretation für die künftige Planung.

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich Nutzungspotenziale und langfristige Stabilität des Waldes in Einklang bringen lassen.

Einzelbaum als Entscheidungsebene

Im Anschluss folgten mehrere Begehungen in ausgewählten Beständen. Die Auszeige wurde dabei nicht nur erklärt, sondern im Detail nachvollziehbar gemacht – von der Zielsetzung auf Bestandesebene bis zur Auswahl einzelner Bäume.

Deutlich wurde dabei der konsequent einzelbaumorientierte Ansatz der Bewirtschaftung. Entscheidungen werden nicht flächig, sondern differenziert auf Ebene des Einzelbaumes getroffen – unter Berücksichtigung von Stabilität, Qualität und Entwicklungspotenzial des Bestandes.

Dieser Ansatz unterscheidet sich deutlich von klassischen, flächenorientierten Nutzungsmodellen und wird vor Ort konsequent umgesetzt.

Historische Wasserwege und langfristige Beobachtungen

Neben der aktuellen forstlichen Bewirtschaftung spielte auch die historische Entwicklung der Region eine wichtige Rolle. Besonders eindrucksvoll sind die Schwarzenberg’schen Schwemmkanäle, die einst als zentrale Infrastruktur für den Holztransport dienten. Sie zeugen von bemerkenswerter ingenieurtechnischer Leistung vergangener Jahrhunderte und machen deutlich, wie eng wirtschaftliche Nutzung und Landschaftsentwicklung schon früh miteinander verflochten waren.

Einen weiteren fachlichen Schwerpunkt bildete die Dauerbeobachtungsfläche Hirschlacke. Im Fokus steht dabei die sogenannte Zielstärkennutzung – also die Nutzung einzelner Bäume, sobald sie eine definierte Stärke erreicht haben. Die Hirschlacke liefert wertvolle Daten dazu, wie sich dieser Ansatz auf Stabilität, Struktur und Zuwachs des Waldes auswirkt. Gerade im Kontext einer zunehmend einzelbaumorientierten Bewirtschaftung sind solche langfristigen Datensätze unverzichtbar.

Stift Schlägl als historisch gewachsenes System

Am zweiten Tag verlagerte sich der Fokus vom Wald hin zum Stift selbst. Das Prämonstratenser Chorherren Stift Schlägl selbst blickt auf eine lange Geschichte zurück. Als im 13. Jahrhundert gegründetes Rodungskloster war es ursprünglich stark in die Erschließung und Nutzung der Region eingebunden. Heute ist es ein vielseitiges Zentrum, das geistliches Leben, Kultur, Bildung und Wirtschaft miteinander verbindet.

Besonders bemerkenswert ist die konsequente Weiterentwicklung der Forstwirtschaft: Traditionelle Werte werden hier mit modernen Konzepten nachhaltiger Waldbewirtschaftung kombiniert. Neben dem Forstbetrieb gehören auch ein Seminarzentrum sowie eine eigene Brauerei zum Stift.

Eine ausführliche Stiftsführung gab Einblicke in Geschichte, Architektur und das Leben der Gemeinschaft. Dabei wurde deutlich, wie stark das Stift über Jahrhunderte hinweg die Region geprägt hat.

Den Abschluss bildete die Besichtigung der stiftseigenen Brauerei. Hier konnten wir den Weg vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt nachvollziehen – ein weiteres Beispiel dafür, wie regionale Ressourcen nachhaltig genutzt und hochwertig verarbeitet werden.

Fazit

Der Betriebsausflug zum Stift Schlägl hat eindrucksvoll gezeigt, welche Entwicklung ein forstlicher Betrieb über Jahrhunderte hinweg durchlaufen kann: Vom einstigen Rodungskloster, dessen Aufgabe vor allem der Urbarmachung und Nutzung der Landschaft lag, hin zu einem modernen Vorreiter nachhaltiger Waldbewirtschaftung.

Besonders in der konsequent umgesetzten Zielstärkennutzung wird diese Transformation sichtbar. Statt kurzfristiger Nutzung steht heute ein langfristig gedachter, strukturreicher und stabiler Wald im Mittelpunkt. Die Dauerbeobachtungsfläche Hirschlacke macht diesen Weg messbar und nachvollziehbar.

Unser Eindruck: Das Stift Schlägl ist nicht nur ein Ort mit Geschichte, sondern ein Beispiel dafür, wie sich Tradition und Innovation verbinden lassen – und damit ein Vorbild für eine moderne, verantwortungsvolle Forstwirtschaft.