Wieder einmal führte mich meine Arbeit auf die weitläufigen Kiefern-Plantagen von Faber-Castell im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais. Auf diesen FSC-zertifizierten Flächen wächst ein ganz besonderer Rohstoff: das Holz für rund zwei Milliarden Bleistifte, die jedes Jahr produziert werden.
Seit 2014 betreut Umweltdata das Monitoring dieser Plantagen und führt jährlich eine umfassende Forstinventur durch. Im Fokus steht dabei die Baumart Pinus caribaea, die unter den klimatischen Bedingungen Brasiliens beeindruckende Wachstumsleistungen zeigt. Gleichzeitig unterscheiden sich die Herausforderungen und Fragestellungen hier deutlich von denen, die wir aus der europäischen Forstwirtschaft kennen.

Auch technologisch ist das Projekt auf dem neuesten Stand: Seit 2021 werden die Inventuraufnahmen mit tragbaren Laserscannern durchgeführt. Diese innovative Methode zählt zu den fortschrittlichsten Verfahren der modernen Waldvermessung und ermöglicht eine besonders präzise Erfassung von Wachstum, Holzvorräten und Stammqualität. Damit lassen sich Veränderungen in den Beständen noch genauer analysieren und fundierte Entscheidungen für die langfristige Bewirtschaftung treffen.
Die Bewirtschaftung folgt einem klaren, intensiv geplanten Produktionszyklus: Bereits nach 18 bis 25 Jahren sind die Bestände erntereif. Die erste – und zugleich einzige – Durchforstung erfolgt ungewöhnlich früh, bereits nach vier Jahren. Gepflanzt wird in Rastermaßen von 3 x 3 oder 3 x 4 Metern, mit dem Ziel, langfristig etwa 700 Bäume pro Hektar zu erhalten.
Besonders entscheidend in den ersten Jahren ist die Kontrolle der Begleitvegetation. Vor allem der rasante Graswuchs konkurriert stark mit den jungen Kiefern um Wasser und Nährstoffe, weshalb eine Kombination aus mechanischer und chemischer Vegetationsbekämpfung unerlässlich ist. Ebenso spielt die Genetik eine zentrale Rolle: Stammform, Holzqualität und Wüchsigkeit werden maßgeblich durch die Auswahl geeigneter Herkünfte und Zuchtlinien beeinflusst.

Doch auch in Minas Gerais ist der Klimawandel längst spürbar. Der entscheidende Minimumfaktor ist Wasser – und genau hier zeigen sich zunehmend kritische Entwicklungen. Niederschläge werden seltener, unregelmäßiger und verteilen sich immer ungünstiger über das Jahr. Für eine Plantagenwirtschaft, die auf kalkulierbares Wachstum angewiesen ist, stellt dies eine erhebliche Herausforderung dar.
Ein besonders spannender Teil unserer Arbeit besteht darin, die ermittelten Holzvorräte in eine sehr konkrete Maßeinheit zu übersetzen: „Gross“ Bleistifte. Wer diesen alten Begriff noch kennt, weiß: Ein Gross entspricht 12 mal 12 Stück, also exakt 144 Bleistiften. Forstinventur trifft hier auf traditionsreiche Handelsgeschichte – und macht greifbar, wie aus nachhaltiger Waldwirtschaft ein alltäglicher Gebrauchsgegenstand entsteht.
Ein faszinierendes Projekt, das eindrucksvoll zeigt, wie moderne Forstplanung, digitale Messtechnologie und nachhaltige Bewirtschaftung miteinander verbunden sind – vom Kiefernwald in Brasilien bis zum Bleistift auf unserem Schreibtisch.


